Workshop: Räucherstäbchen herstellen - Chemnitz Zum Inhalt springen

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OUD CINNAMON PINE

Ein Wochenende zu zweit

Lukas hatte die Berge schon immer geliebt. Diese besondere Stille, die klare Luft und das Gefühl, dass die Welt dort oben ein kleines bisschen langsamer wurde. Genau deshalb hatte er sich für das Wochenende eine kleine Ferienhütte gemietet – weit entfernt vom Alltag, versteckt zwischen hohen Fichten und verschneiten Berghängen.

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Als er am späten Nachmittag ankam, hatte der Sturm bereits begonnen. Schnee wirbelte durch die Luft, der Wind pfiff zwischen den Bäumen hindurch und der Weg zur Hütte war kaum noch zu erkennen. Umso erleichterter war Lukas, als die schwere Holztür endlich hinter ihm ins Schloss fiel.

Drinnen war es warm.

Im Kamin brannte bereits ein Feuer. Die Flammen tanzten über den dunklen Holzscheiten und warfen ein sanftes Licht an die Wände. Lukas stellte seine Tasche ab, zog die nasse Jacke aus und atmete tief durch. Genau das hatte er gebraucht: ein Wochenende ohne Termine, ohne Fragen und ohne das Gefühl, irgendwo funktionieren zu müssen.

Gerade wollte er sich in den großen Sessel vor dem Kamin setzen, als er plötzlich ein Geräusch hörte.

Ein leises Plätschern.

Es kam aus dem Badezimmer.

Lukas hielt inne. Vielleicht hatte die Putzkraft beim Reinigen zuvor den Wasserhahn nicht richtig zugedreht?

Langsam ging er den schmalen Flur entlang. In genau dem Moment, in dem er zur Badezimmertür blickte, wurde sie geöffnet und ein Mädchen trat heraus.

Ihre dunklen Haare waren noch feucht, um ihre Schultern lag ein großes Handtuch – und als sie Lukas sah, schrie sie laut auf.

Lukas schrie ebenfalls.

„Was machst du hier?!“, riefen beide gleichzeitig.

Das Mädchen sprang zurück ins Badezimmer, knallte die Tür zu und schloss ab.

„Geh weg!“, rief sie von drinnen. „Bitte geh einfach weg!“

„Ich soll weggehen?“ Lukas starrte fassungslos auf die geschlossene Tür. „Was machst du überhaupt hier? Ich habe diese Hütte für das ganze Wochenende gebucht!“

Für einen Moment blieb es still.

„Das kann nicht sein“, antwortete sie schließlich. „Ich habe sie ebenfalls für dieses Wochenende gebucht.“

„Ja, offensichtlich kann das nicht sein!“

„Dann geh bitte ein Stück zurück, damit ich rauskommen kann.“

Lukas ging zurück ins Wohnzimmer. Wenige Augenblicke später erschien das Mädchen vollständig angezogen im Türrahmen. Sie hielt ihr Handy in der Hand und betrachtete ihn noch immer äußerst misstrauisch.

„Ich heiße übrigens Mila“, sagte sie.

„Lukas.“

Mila öffnete ihre Buchungsbestätigung und hielt ihm das Display entgegen. Lukas kontrollierte das Datum. Es war tatsächlich dieselbe Hütte, dasselbe Wochenende und sogar dieselbe Ankunftszeit. Daraufhin zeigte er ihr seine eigene Bestätigung.

Spätestens jetzt war klar: Die Hütte war doppelt vergeben worden.

Lukas nahm sein Handy heraus, doch es zeigte keinen Empfang an. Mila versuchte es ebenfalls – vergeblich. Durch den Sturm war das Netz vollständig ausgefallen. Selbst die Straße ins Tal war inzwischen so stark eingeschneit, dass keiner von beiden noch einmal hätte losfahren können.

Sie sahen sich schweigend an.

Dann musste Mila plötzlich lachen.

Erst versuchte Lukas noch, ernst zu bleiben, doch die Situation war einfach zu absurd. Wenige Sekunden später lachten sie beide über ihre erste Begegnung und darüber, dass sie sich gegenseitig beinahe zu Tode erschreckt hatten.

„Warum bist du eigentlich hier?“, fragte Lukas, als sie sich schließlich vor den Kamin setzten.

Mila zog die Beine auf den Sessel und betrachtete das Feuer. „Ich wollte einfach einmal Ruhe haben.“

„Vor anderen Menschen?“

Sie schüttelte lächelnd den Kopf. „Vor allem vor mir selbst. Ich wollte raus aus meinem Alltag und dieses kleine Häuschen sah im Internet so niedlich aus. Still, gemütlich und weit weg von allem.“

Lukas nickte. Genau deshalb war auch er gekommen. Er hatte erst vor Kurzem seinen Job gewechselt. Eigentlich sollte es ein Neuanfang sein, doch bisher hatte sich alles eher wie ein weiterer Versuch angefühlt, irgendwo hineinzupassen.

„Ich wollte herausfinden, was ich wirklich will“, erzählte er. „Irgendwie neu anfangen. Aber diesmal nicht nur beruflich.“

Mila sah ihn an. „Dann haben wir wohl nicht nur dieselbe Hütte gebucht.“

Der Sturm rüttelte an den Fenstern, während im Kamin ein Holzscheit knackend auseinanderbrach. Für einen Moment saßen sie einfach nur da und hörten dem Feuer zu.

Dann sprang Mila plötzlich auf.

„Ich habe eingekauft“, sagte sie. „Und wenn wir dieses Wochenende schon unfreiwillig miteinander verbringen, könnten wir wenigstens etwas daraus machen. Wie wäre es mit Zimtschnecken?“

Lukas hob eine Augenbraue. „Du kannst Zimtschnecken backen?“

„Das werden wir gleich herausfinden.“

Gemeinsam gingen sie in die kleine Küche. Mila rollte den Teig aus, während Lukas Butter, Zucker und Zimt miteinander vermischte. Anfangs standen sie sich ständig im Weg, griffen gleichzeitig nach denselben Schüsseln und diskutierten darüber, wie viel Zimt zu viel Zimt war. Doch mit jedem misslungenen Teigstück und jedem kleinen Seitenhieb verschwand die anfängliche Fremdheit ein wenig mehr.

Schon bald zog der süße, warme Duft der Zimtschnecken durch die Hütte. Er vermischte sich mit dem tiefen, leicht rauchigen Geruch des dunklen Kaminholzes. Aus dem Badezimmer strömte noch immer die frische, harzige Fichtennote von Milas Badezusatz herüber.

Zimt, dunkles Holz und frische Fichte.

Gemeinsam ergaben die Düfte etwas vollkommen Neues: warm und würzig, gleichzeitig klar und belebend. Es roch ein wenig wie eine Sauna mitten im verschneiten Wald – nach tiefer Wärme, frischer Luft und dem Gefühl, für einen Moment nirgendwo anders sein zu müssen.

Als die Zimtschnecken endlich fertig waren, setzten sich Lukas und Mila mit zwei Tellern vor den Kamin. Draußen tobte noch immer der Sturm. Drinnen knackte das Feuer, und zwischen ihnen lag plötzlich keine unangenehme Stille mehr.

„Weißt du“, sagte Mila und brach ein Stück von ihrer Zimtschnecke ab, „vielleicht war diese Doppelbuchung gar nicht das Schlimmste, was uns passieren konnte.“

Lukas lächelte und sah in die Flammen.

Eigentlich war er in die Berge gefahren, um allein zu sein und sich selbst wiederzufinden.

Stattdessen hatte er Mila gefunden.

Und während sich der Duft von Oud, Zimt und Fichte wie eine warme Decke um die beiden legte, begann dieses versehentlich gemeinsame Wochenende, sich plötzlich ganz genau richtig anzufühlen.